Neu-Ulm: Die Geschichtsbibliothek benötigt angemessene Räume. ..

17. Juni 2019

Seit Jahren setzt sich die FDP.. und hier v.a. Frau Wanke, für die Bibliothek ein...
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7.06.2019 ULM und NEU^-ULM

Geschichtsbibliothek
kämpft um ihre Zukunft

Historie Wenn das LEW-Gebäude abgerissen wird, verliert das ehrenamtlich betriebene Archiv seine Räume. Übergangsweise soll es in die alte FH ziehen. Von Chirin Kolb

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ie viele Bände die Neu-Ulmer Geschichtsbibliothek umfasst, weiß keiner genau. 80 000? So viele werden es schon sein, schätzt Anton Aubele. So gut wie er kennt niemand die Bestände – niemand mehr, muss man leider sagen. Denn Horst Gaiser, Herz, Hirn und Gründer des Archivs zur Geschichte Neu-Ulms und des süddeutschen Raums, ist im Mai verstorben. Gaiser und Aubele trieben die Geschichtsbibliothek seit Jahrzehnten ehrenamtlich um.

Gaisers Sorge galt seit Jahren der Zukunft seines Lebenswerks. Denn die steht auf der Kippe. Die Stadt Neu-Ulm hat Räume im Rückgebäude der Stadtbibliothek zur Verfügung gestellt, doch sie müssen Ende des Jahres leer sein. Das LEW-Gebäude, zu dem der Anbau gehört, wird abgerissen. In den Neubau am Heiner-Metzger-Platz soll unter anderem wieder die Stadtbibliothek einziehen.

Und die Geschichtsbibliothek? Auch für sie zeichnet sich eine Lösung ab. Die Bücher, Zeitschriften und Nachschlagewerke sollen in die ehemalige FH im Vorfeld umziehen, sagt der städtische Fachbereichsleiter Ralph Seiffert. Eine Übergangslösung für rund fünf Jahre – so lange jedenfalls, bis der Neubau am Heiner-Metzger-Platz steht.

Pläne werden vorgestellt

Geht es nach Seiffert, wird der Neubau nicht zum endgültigen Domizil der Geschichtsbibliothek. Er kann sich einen Raumtausch vorstellen: Der Generationentreff zieht von der Reuttier Straße an den Heiner-Metzger-Platz, und die freiwerdenden Räume belegt die Geschichtsbibliothek. Seiffert spricht über diese Pläne mit aller Vorsicht, „sie sind den Stadträten noch nicht vorgestellt“. Das will der Fachbereichsleiter am 18. Juli machen, wenn er auf Antrag der FDP-Fraktion das Konzept präsentiert.

Stadträtin Christa Wanke, die sich seit Jahren für den Erhalt der Geschichtsbibliothek einsetzt, hatte im April den Sachstandsbericht eingefordert. Aus dem Gefühl heraus, dass sich nichts tut. „Die Frage nach neuen Räumen und nach der Zukunft der Bibliothek ist ungeklärt“, schrieb sie an OB Gerold Noerenberg. Es gebe weder eine Zwischen- noch eine Dauerlösung. Dabei sei die Geschichtsbibliothek „wertvoll und erhaltenswert, sie braucht Perspektiven und eine Zukunft“.

Das sieht auch die Bayerische Staatsbibliothek so. Als wissenschaftliche Spezialbibliothek mit großem Bestand sei die Neu-Ulmer Einrichtung „sehr gut für eine Mitgliedschaft im Bibliotheksverbund Bayern geeignet“, heißt es in einem Schreiben. Dann hätten Wissenschaftler und Nutzer überregional Zugriff. Voraussetzung wäre allerdings die Katalogisierung. Ein Bibliothekar müsste die geschätzten 80 000 Werke erst einmal nach wissenschaftlichen Kriterien erfassen.

Denn bislang herrscht „das System Gaiser“, wie Fachbereichsleiter Seiffert es nennt. Die Bände biegen meterweise Regalböden durch, füllen Kartons, stapeln sich auf Tischen. Nicht etwa wahllos, wie es den Anschein hat. Gaiser und Aubele wissen genau, wo welches Werk versteckt ist. Nur: Ohne sie sind Besucher aufgeschmissen. Seit Gaisers Tod kümmert sich nurmehr Aubele darum, dass Historiker, Hobby-Forscher oder Nutzer auf der Suche nach ihrer Familiengeschichte in den Werken stöbern können. Die Präsenzbibliothek ist dreimal monatlich geöffnet.

Die Katalogisierung des Bestands liegt auch Aubele sehr am Herzen, „das wäre das Wichtigste“. Stadt und Landkreis Neu-Ulm hätten sich bereits darauf geeinigt, eine Stelle zu finanzieren, erzählt er. Sie wurde bisher aber nicht ausgeschrieben und also auch nicht besetzt. Aubeles Sorge: Alles verläuft im Sand.

Suche nach einer Fachkraft

Wird es nicht, sagt Seiffert. „Wir konnten die Stelle nur nicht besetzen, so lange nicht klar war, ob und wo Räume zur Verfügung stehen und die Fachkraft überhaupt arbeiten kann.“ Jeweils 35 000 Euro pro Jahr wollen sich Stadt und Kreis diese Stelle kosten lassen. Seiffert schätzt, dass es fünf Jahre dauert, bis der Bestand erfasst ist. Womöglich könne er auch etwas ausgedünnt werden.

Befürchtungen, die Werke könnten übergangsweise in Containern gelagert werden, seien unbegründet, sagt Seiffert. „Das war nie unsere Zielsetzung.“ Er habe allenfalls mal angedeutet, dies könnte die allerletzte Möglichkeit sein. Aubele und Peter Freitag, ein langjähriger Nutzer, hat diese Aussicht jedenfalls aufgeschreckt. Die Einlagerung in Container wäre das Ende der Geschichtsbibliothek, fürchtet Aubele: „Wenn etwas eingemottet ist, bleibt es da wahrscheinlich.“ Freitag fürchtet gar das „Verrotten“ der Bestände. Die Übergangslösung in der alten FH finden beide akzeptabel. Für sie das Wichtigste: Die Geschichtsbibliothek wäre weiter nutzbar, die Inventarisierung könnte beginnen.

Geschichte der Region in 80 000 Bänden

Bestand Die Neu-Ulmer Geschichtsbibliothek umfasst Bücher und Zeitschriften zur Landeskunde des süddeutschen Sprachraums, zur Kirchen- und Kunstgeschichte, Lexika, Wörterbücher, Urkundenbücher, biographisch-
familiengeschichtliche Materialien und Adelsbücher, landesgeschichtliche Zeitschriftenreihen und ortsgeschichtliche Literatur. Der Bestand kann nicht ausgeliehen werden.

Entstehung Die Bibliothek wurde seit 1954 zusammengetragen aus Nachlässen, Schenkungen, Verkäufen von Bibliotheken, Antiquariaten und von Privatleuten, gesammelt überwiegend vom kürzlich verstorbenen Rechtsanwalt Horst Gaiser. Er kaufte Bücher mit eigenem Geld, viele wurden über Mittel der Stadt und des Landkreises Neu-Ulm angeschafft.

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