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ist der GENERATIONENVERTRAG in Gefahr?

05. Januar 2018, 17:00Uhr

Lesen SIE bitte die NUZ

Die neuen Generationskonflikte
Serie Droht eine Spaltung der Gesellschaft in Altersklassen? Die Bevölkerungsentwicklung und die Digitalisierung stellen große Herausforderungen an ein künftiges Miteinander

von wolfgang schütz

Die Initiative nennt sich „Generationenmanifest.de“, ist vier Monate alt und hat inzwischen weit über 200 000 Unterschriften gesammelt und konstatiert: „Wir sind Bürgerinnen und Bürger dieses Landes und stellen besorgt fest: Die älteste Übereinkunft der Menschheit ist in Gefahr – der Generationenvertrag.“

Klingt nach Alarm. Und ist auch so gemeint: „Vorangegangene Generationen haben immer versucht, ihren Kindern eine bessere und gerechtere Welt zu hinterlassen. Auch deshalb geht es uns heute so gut wie nie zuvor. Wir, die goldenen Generationen der nach dem Krieg Geborenen, haben dieses urmenschliche Anliegen stillschweigend kassiert und ahnen jetzt, dass wir unseren Kindern eine Fülle von ungelösten Problemen vor die Füße werfen …“

Alarm also. Ausgelöst von den Älteren. Darunter Prominente wie der Klimaforscher Joachim Schellnhuber und der Fernseh-Physiker Harald Lesch, Politikerin Rita Süssmuth und Bestseller-Arzt Eckart von Hirschhausen. Denn: „Selten hatten so viele Menschen Sorge um die Zukunft ihrer Kinder und Enkel. Wir auch!“ Und: „Unsere Generation hat heute das Wissen, um die Probleme der Welt zu lösen … Das ist, was wir wollen. Und wir fangen jetzt damit an.“ Und sie stellen zehn Forderungen auf, die natürlich Themen wie Frieden, Klima, Bildung und Armutsbekämpfung enthalten – aber auch einen Rahmen für „die digitale Revolution“ und die Aufnahme der „Generationengerechtigkeit“ in das Grundgesetz: „… dass Haftungsforderungen im Namen zukünftiger Generationen eingeklagt werden können.“

Die Frage der Digitalisierung ist noch neu; die Frage der Gerechtigkeit ist strukturell verschärft ein Generationenproblem. Letzteres mit den Zahlen der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) erklärt: 1962 sorgten im Durchschnitt noch glatte sechs Arbeitnehmer für die Unterstützung eines Rentners, 1972 waren es noch 4,2, 2015 nur noch 2,1. Und die Babyboomer-Generation geht ja erst in den Ruhestand – und zwar in den kommenden zehn Jahren! Die künftigen Folgen: 2013 haben 100 Erwerbstätige 34 Rentenempfänger finanziert, 2060 werden es schon 65 sein. Einer von drei in Deutschland lebenden Menschen wird dann im Ruhestand sein.

Die große Mehrheit jener „Goldenen Generation“ geht auch mit goldenen Rentenansprüchen ins Alter, zumindest vergleichsweise. Denn spätestens mittelfristig wird aus der Bevölkerungstendenz ein doppeltes Problem: Wie sollen hier die immer wenigeren Jungen noch genug erwirtschaften, damit die immer zahlreicheren Alten noch oberhalb der Altersarmutsgrenze leben können? Nur mal als Beispielrechnung: Nach heutigem Stand sinkt laut bpb das Rentenniveau bis 2030 voraussichtlich auf 44,3 Prozent des durchschnittlichen Jahresgehalts – vor 15 Jahren waren es noch 52,9 Prozent. Und wer nach 45 Arbeitsjahren mit dem Mindestlohn von 8,84 Euro pro Stunde in Rente gehen wird, der hat dann einen Anspruch auf 668 Euro vor Steuer – die „Grundsicherung“ eines Menschen liegt bei 823 Euro. Wer soll dann noch die Generationengerechtigkeit finanzieren, ein Miteinander möglich machen?

Die Wette läuft derzeit auf den sogenannten „Produktivitätsfortschritt“. Das heißt: Arbeit muss künftig immer noch effizienter werden – mehr produzieren in weniger Zeit. Dann könnte die Rechnung womöglich noch aufgehen.

Soll die Digitalisierung dafür sorgen? Zunächst sorgt sie eher für eine Spaltung, für den sogenannten „digital gap“. Der bedeutet erst mal nur, dass selbstverständlich jüngere Menschen die Hauptnutzer der neuen Technik sind: WhatsApp etwa nutzen 89 Prozent der 14- bis 19-Jährigen in Deutschland, aber nur 27 Prozent der über 60-Jährigen, Snapchat 29 Prozent der 14- bis 29-Jährigen, aber praktisch keiner über 50. Eine Erscheinung wie bei jeder in den Alltag durchschlagenden technischen Neuerung. Nachdem die Digitalisierung nun aber immer stärker gesellschafts- und wirtschaftsprägende Macht entfaltet, ist es auch eine mit Folgen.

Die technische Kundigkeit spaltet. Die Digitalisierung verändert den Wissensbegriff so, dass traditionell Wertvolles wie die Erfahrung und das Verständnis der Älteren entwertet werden – weil alle Fakten jederzeit jedem verfügbar scheinen, nur noch vernetzt werden wollen und damit der flinke, kundige User überlegen wirkt. Und erklären inzwischen bis ins Private hinein nicht eher die Kids den Großeltern das Smartphone als Opa und Oma dem Enkel die Welt und die Geschichte?

Von einer Gegenwart aber, die überzeitliche Kompetenzen nicht mehr schätzt und sich in hysterischer Beschleunigung jedem nachhaltigen Verständnis entzieht, wenden sich Ältere zusehends ab – Kulturpessimismus macht sich breit. Währenddessen müssen sich aber die nun vermeintlich überlegenen Jüngeren in einer sich als aufregend neu darstellenden Arbeitswelt behaupten – in der immer mehr Berufe verschwinden und zu Jobs werden, die Flexibilität verlangen, ohne Sicherheit zu bieten vor weiteren Effizienzmaßnahmen durch Automatisierung. So wirkt der Druck der digitalen Zeit als Bruch in den Strukturen der Erwerbsarbeit auf alle Generationen anders. Und trennt sie. Und wird eher noch größer werden.


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