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Gute Nachrichten für Neu-Ulm Setra ist auf Jahre gesichert und soll evtl. ausgebaut werden

09. Juni 2018

Lesen SIE bitte die SWP

Nutzfahrzeuge Der neue Daimler-Buschef Till Oberwörder hält an der Produktion im Inland fest und sieht Neu-Ulm als zukünftiges Zentrum für autonomes Fahren und Sicherheitssysteme. Von Frank König und Julia Kling


Im Juli stellt Daimler den ersten elektrischen Stadtbus Citaro vor, in Amerika hat der Konzern zuletzt sogar zwei Freightliner-Trucks als E-Version präsentiert. Bis zum ersten Setra-Reisebus mit Batterie-Antrieb wird es aber noch eine Weile dauern, prophezeit der neue Chef der globalen Daimler-Bussparte Till Oberwörder (47). Denn das Unternehmen müsse wirtschaftlich denken und fragen: Wo ist der Bedarf? Der bestehe jedoch eindeutig in den Städten, wo auch eine Förderung für Nullemissionsfahrzeuge vorhanden sei. Aus Sicht Oberwörders wird bis 2030 mehr als die Hälfte der neuen Stadtbusse elektrisch unterwegs sein.


Im Zuge der 2017 noch unter Oberwörders Vorgänger Hartmut Schick vereinbarten Standort sicherung entstehen die Stadtbusse nur noch in Mannheim, wohingegen Neu-Ulm das Zentrum für Setra-Reisebusse ist. Zuletzt lag die Jahresproduktion hier bei 2200 Einheiten. Die Umstellung von zwei auf nur noch eine einzige Montagelinie sorgte für Ängste und Spannungen in dem noch unter Kässbohrer erbauten Werk: weil auch die Arbeitsgruppen völlig neu organisiert wurden.


Für Oberwörder überwiegen freilich die positiven Eindrücke, nachdem der Standortvertrag ohnehin für eine berechenbare Grundlage bis 2024 sorgt: „Ich bin hier mittendrin, auch wegen des Setra-Kundencenters.“ Auf diese Weise könne er rasch mit Buskunden ins Gespräch kommen. Er hat aber auch schon einen Besuch beim neuen Betriebsratsvorsitzenden Hans-Jörg Müller gemacht und stellt nach noch nicht einmal 100 Tagen im Amt fest: Es herrscht eine lösungsorientierte „Can-Do-Mentalität“. Diese Kultur der Kompetenz und Kooperation durchziehe die gesamte Bussparte: bis nach Mexiko und Brasilien. Für Oberwörder ist jedoch keine Frage, dass bei Daimler die Heimatstandorte im Mittelpunkt stehen und der Stuttgarter Konzern als einziger Bushersteller weiter in Deutschland produziert. In der Region Ulm/Neu-Ulm ist die für das europäische Busgeschäft zuständige Evobus größter industrieller Arbeitgeber mit annähernd 3900 Beschäftigten.


In Sachen Elektromobilität liegt zwar das Schwesterwerk Mannheim vorne, aber der Standortvertrag sieht Ausgleichsmechanismen vor. So soll der Bus standort in Neu-Ulm zu einem Zentrum für autonomes Fahren sowie Assistenz- und Sicherheitssysteme wie Brems-, Spurhalte und Abbiegehilfen werden. Dabei gibt es nach den Worten Oberwörders, der Anfang April aus der Lastwagen-Sparte zu den Omnibussen zurückkehrte, einen intensiven technologischen Austausch mit Daimler Trucks.


„Solide Auslastung“


Innerhalb des Ressorts Nutzfahrzeuge existieren demnach von vornherein viele Synergien zwischen Trucks und Bussen. Am Standort Neu-Ulm sind bereits 370 Mitarbeiter in Forschung und Entwicklung tätig. Oberwörder ließ offen, ob diese Mannschaft im Zuge der Technologieoffensive mit Investitionen von 200 Millionen Euro noch aufgestockt werden soll. 140 Millionen fließen im Zuge der Standortsicherung in die Werksinfrastrukturen. Für das Setra-Werk in Neu-Ulm spielt nicht zuletzt der neue Doppelstockbus eine wichtige Rolle, zumal er häufig von expandierenden Fernbuslinien wie Flixbus eingesetzt wird. Die Auslastung bezeichnet Oberwörder als solide.


Der neue Mann, der schon von 2012 bis 2015 für Vertrieb und Marketing bei Daimler-Bussen verantwortlich war, behält auch digital den Überblick über das weltweite Busgeschäft: Er macht seine Notizen per Stift auf dem großen iPad Pro und gibt sie mit einer speziellen App für Projektmitarbeiter frei: „Das macht auch das Leben der Kollegen leichter.“

Bekenntnis zum Setra-Standort


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