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Was sagt die AOK zur "Bürgerversicherung"

03. Februar 2018

Lesen SIE bitte die SWP... die FDP Neu-Ulm unterstützt diese Gedanken..

Wir brauchen die Wahlfreiheit“

Gesundheit AOK-Landeschef Christopher Hermann im Interview über die laufenden Koalitionsverhandlungen, die Zukunft der gesetzlichen Krankenversicherung und den gläsernen Patienten. Von Harald John


Nicht nur in den Sondierungsgesprächen zwischen CDU/CSU und SPD stand die Krankenversicherung im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Auch Themen wie die Patientenakte, die Gesundheitsversorgung auf dem Land und die Zusammenlegung von Krankenhäusern beschäftigen derzeit viele Versicherte. Über diese Themen sprach die SÜDWEST PRESSE mit Baden-Württembergs AOK-Chef Dr. Christopher Hermann und der Geschäftsführerin der AOK Ulm-Biberach, Dr. Sabine Schwenk.


Kaum ein Thema wurde in den Sondierungsgesprächen zwischen CDU/CSU und SPD häufiger genannt als die Bürgerversicherung. Freuen Sie sich über die Aufmerksamkeit?


Christopher Hermann: Das ist keine Frage der Freude. Erstmal müssen wir uns fragen, was die Politik mit Bürgerversicherung meint. Schließlich versteht jeder darunter etwas anderes. Wenn einige meinen, in Zukunft bräuchten wir eine Einheitsversicherung, dann ist es überhaupt nicht unsere Vorstellung. Sollte allerdings darunter die Wahlfreiheit aller Versicherten und den Wettbewerb um die beste Versorgung unter den Kassen verstanden werden, dann sind wir dabei.


Ist es nicht Zeit, die Trennung zwischen gesetzlich und privat Versicherten abzuschaffen und endlich Gerechtigkeit herzustellen?


Diese Trennung ist historisch gewachsen, jeder Versicherte in Deutschland sollte künftig die Möglichkeit haben, frei zu wählen und seine Versicherung zu wechseln. Derzeit hat ein privat Versicherter so gut wie keine Chance, seine Privatkasse zu verlassen. Wir begrüßen deshalb eine Initiative des Hamburger Senates, das aufzubrechen.


Nach einer Bertelsmann-Studie könnte der Staat in den kommenden 15 Jahren rund 60 Milliarden Euro einsparen, wenn er die Beamtenbeihilfe in der jetzigen Form abschaffen würde. Damit ließe sich die neue Versicherung für alle finanzieren...


Diese Studie wurde sehr angegriffen. Allerdings wird auf längere Sicht ein einheitliches System kostengünstiger sein. Schon heute kann jeder Kassenpatient im Krankenhaus freiwillige Leistungen wie ein Einzelzimmer dazu buchen. Nur in der ambulanten Versorgung gibt es Unterschiede.


Weil ich als Privatpatient schneller einen Termin bekomme.


Ja, aber es beschränkt sich auf den Service. Der medizinische Fortschritt kommt bei allen Versicherten gleichermaßen an.


Die AOK fordert grundlegende Reformen nach dem Motto „Wir müssen die Versorgung vom Patienten aus denken“. Welche sind das konkret?


Wir haben ein sehr sektoriertes Gesundheitssystem, müssen aber endlich diese Grenzen überwinden und zu einer nahtlosen Gesundheitsversorgung kommen.


Frau Schwenk, wie sieht so eine nahtlose Gesundheitsversorgung bei der AOK Ulm-Biberach aus?


Sabine Schwenk: Wir wollen mit unseren Kunden Auge in Auge sprechen, deshalb achten wir darauf, dass jeder in 20 bis 30 Minuten einen unserer zehn AOK-Standorte in der Region erreichen kann. Gleich ob mit dem Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln. 13 Mitarbeiter sind im sozialen Dienst und kümmern sich um Versicherte in schwierigen Situationen. Davon sind acht als Pflegeberaterinnen ausgebildet. In der Gesundheitsförderung, auch wenn es um die psychische Gesundheit geht, sowie im Rückenstudio arbeiten weitere 40 Kolleginnen und Kollegen.


Letzte Frage zur Politik: Warum doktert jeder Gesundheitsminister an diesen Reformen herum, ohne sie grundlegend durchzusetzen. Ist die medizinische Lobby zu stark?


Christopher Hermann: Das Beharrungsvermögen ist riesig. Sie müssen sehen, dass elf Prozent des Bruttosozialproduktes in Deutschland für den Gesundheitsmarkt ausgegeben werden. Die letzte wirkliche Gesundheitsreform hatten wir vor 25 Jahren – noch unter dem damaligen Gesundheitsminister Horst Seehofer. Der aktuelle Gesundheitsminister Hermann Gröhe ist zwar superfleißig, schließlich hat er im Schnitt alle sechs Wochen ein neues Gesetz auf den Weg gebracht. Aber möglicherweise war das zu fleißig.


Vielleicht ist ja Horst Seehofer im neuen Kabinett wieder für Gesundheit zuständig.


(lacht) Es besteht noch Hoffnung.


Kommen wir zur allgegenwärtigen Digitalisierung. Was erwarten Sie sich von der elektronischen Patientenakte?


Ich zeige Ihnen meine AOK-Gesundheitskarte. Diese Technik hat sich seit mehr als zehn Jahren nicht verändert. Das ist Technik von vorgestern, denn außer dem Namen erfahren Sie nichts. Dagegen böte eine elektronische Patientenakte die Chance, alle relevanten Informationen zusammenzutragen. Das wäre ein Riesenfortschritt für eine bessere Versorgung!


Sind diese E-Akten sicher? Oder werden Patienten noch gläserner?


Eines muss klar sein: Die Gesundheitsdaten gehören dem Patienten! Die Akte muss in der Hoheit des Versicherten bleiben, Ärzte würden jeweils Teilsegmente erfahren. Allerdings: Wenn Sie ein ernstes Gesundheitsproblem haben, rückt der Datenschutz vom Patienten aus nicht selten in den Hintergrund.


Es wird immer schwieriger, Ärzte und Apotheker für ländliche Gebiete zu finden. Wie kann man die Versorgung der Bevölkerung sicherstellen?


Eine Chance ist auch hier die Digitalisierung. So hat die Telemedizin ein Riesenpotential. In Baden-Württemberg wird das so genannte Fernbehandlungsverbot gerade gelockert, Modellregionen sind Stuttgart und Tuttlingen. Es gibt aber auch in Ulm schon Ärzte, die mit Telemedizin arbeiten.


Ist das denn ein seriöser Weg, eine Diagnose über Skype zu stellen?


Es geht darum, dass sich Allgemeinmediziner mit Fachärzten austauschen, so kann für Patienten der Weg zum Spezialisten entfallen. Und die ärztliche Zusammenarbeit hat unkompliziert funktioniert.


Der Mangel an Pflegekräften ist allgegenwärtig. Wie können Sie entgegensteuern?


Dieses Thema wird uns noch sehr beanspruchen. Wir müssen sowohl beim beruflichen Umfeld als auch bei der Bezahlung zulegen, aktuell bleiben Pflegekräfte im Schnitt nur 8,5 Jahre in ihrem Beruf. Aber ein Patentrezept, den Pflegenotstand zu beheben, hat niemand.


Gerade beim Thema Geburtshilfe ist nur noch wenig zu verdienen, deshalb hat u.a. die Station in Langenau geschlossen. Wird es zu weiteren Konzentrationsprozessen kommen?


Unabhängig vom Einzelfall: Man braucht bei einer solchen Klinik eine Mindestanzahl an Geburten, um eine gute Versorgung zu garantieren. Es geht dabei nicht um die einfachen, sondern um die komplizierten Fälle. Dafür braucht es eine Einheit mit medizinischen Experten, gutem Equipment und den nötigen Routinen – dann ist es für Mutter und Kind optimal.


Mittlerweile wird auch manches Zipperlein gegoogelt.


Wenn Sie einen Hang zum eingebildeten Kranksein haben, können Sie mit Google Hypochonder werden.


Sabine Schwenk: Rufen Sie lieber das AOK Med-Telefon an.


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