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Frauen stärken Frauen.. und das ist gut so !

05. Februar 2018

Lesen SIE bitte die SWP..

Fremd und doch ganz nah

Weiterbildung Am Lernhaus der Frauen begegnen sich Teilnehmerinnen aus mehreren Ländern und Kulturkreisen. Sie lernen viel über andere. Und über sich selbst. Von Chirin Kolb


Sie stammen aus Usbekistan, Mexiko, Kosovo, Indonesien, Italien, Russland, Slowakei, Brasilien und Deutschland. 9 Länder, 15 Frauen, genau so viele Lebenswege, Biographien, Bildungshintergründe. Sie alle eint: Sie leben in Ulm oder in der Umgebung, und sie besuchen gemeinsam das Lernhaus der Frauen an der Frauenakademie der vh.


Am Lernhaus geht es um interkulturelle Kompetenzen, und das heißt in erster Linie: zuhören. Dem, was die Frauen erzählen über sich, ihr Leben, ihre Herkunft, ihren kulturellen oder religiösen Hintergrund, ihre Ankunft in Deutschland, ihre Erfahrungen, Erfolge und Schwierigkeiten. „Das Lernhaus der Frauen lebt vom Austausch auf Augenhöhe“, sagt Frauenakademie-Leiterin Gesa Krauß. Für weiteren methodischen Input sorgen die Dozentinnen Andrea El-Danasouri und Gabriele Welke.


Die Teilnehmerinnen sind begeistert von dem Konzept. „Mein Leben hat neu begonnen“, sagt Reni Tech, die vor fünf Jahren aus Indonesien nach Deutschland kam. Das Lernhaus habe ihr Selbstvertrauen gegeben. Diese Erfahrung war für Fidane Morina aus dem Kosovo besonders wichtig. Sie kam anfangs im fremden Deutschland nur schwer zurecht, verstand ihre neuen Mitmenschen oft nicht – und zwar weniger wegen der Sprachbarriere, sondern vielmehr wegen der kulturellen Eigenheiten. „Migrant sein fühlt sich manchmal an wie eine Krankheit“, sagt sie. „Es frisst an der Seele.“


Nun fühle sie sich besser, „mein Selbstvertrauen ist gestärkt“. Sie könne die Handlungs- und Ausdrucksweisen ihrer Mitmenschen besser einschätzen. Elsa Schröttle aus Usbekistan drückt es so aus: „Wir haben viel gelernt. Die Augen sind geöffnet.“


Ihre Familie stammt ursprünglich aus dem heutigen Nordkorea, sie ist aber in Usbekistan geboren und aufgewachsen. Dort lernte sie auch ihren jetzigen Ehemann kennen, einen Schwaben. „Ich bin eine Liebesmigrantin“, sagt sie lachend. In Taschkent hat sie Anglistik studiert, in Ulm ist sie an der vh als Dozentin für Englisch tätig, sie gibt Kurse beispielsweise über Nordkorea, leitet Reisen durch Usbekistan und führt durch Ausstellungen im Stadthaus.


Bald werden weitere Führungen dazu kommen, denn sie und Lia Altenhofen da Silva, eine Anwältin aus Brasilien, bieten demnächst interkulturelle Stadtführungen in Ulm an. Migration, ihre vielen Gesichter und Geschichten, soll dabei im Vordergrund stehen. Das Lernhaus hat die beiden Frauen zusammengebracht. Ihr Wissen, ihre Energie und ihre neu erworbene Kompetenz als Kulturmittlerin wollen sie nun in ein gemeinsames Projekt stecken.


Das Netzwerk, das im Lernhaus entsteht, ist allen Teilnehmerinnen wichtig – zumal auch Kontakte zu früheren Absolventinnen geknüpft werden. „Der Kreis wird immer größer“, sagt die gebürtige Deutsche Simone Bernecker, die seit 20 Jahren in Ulm lebt. „Daraus kann sich Neues entwickeln.“ Sie ist sich sicher: „Bei uns allen haben sich neue Türen geöffnet.“


Simone Bernecker schätzt den Kontakt, den sie zu Frauen aus anderen Ländern und Kulturkreisen knüpfen konnte. Sie habe dabei viel gelernt – über andere, aber auch über sich selbst. Diese Erfahrung hat auch die Brasilianerin Lia Altenhofen da Silva gemacht. Zunächst, erzählt sie, hatte sie eine andere Erwartung an das Lernhaus. „Ich dachte: Ich bin Migrantin, das Interkulturelle kriege ich schon hin.“ Die Begegnung und der intensive Austausch mit den anderen Frauen habe aber doch sehr auf sie selbst gewirkt.


Interessant auch für Deutsche


Doch auch Frauen aus Deutschland haben noch einmal einen anderen Blick auf sich, auf das Leben hier und die Migration bekommen. Sie hatte keine rechte Vorstellung davon, wie schwierig es tatsächlich ist, in Deutschland anzukommen, „Fuß zu fassen und erste Wurzeln zu schlagen“, sagt Uli Schiffbauer. Nun möchte sie helfen, anderen Ankommenden den Start zu erleichtern. Zusammen mit Fidane Morina aus dem Kosovo startet sie im Februar im Gemeindezentrum der Lukasgemeinde am Eselsberg ein „Café Aleman“ als Begegnungsmöglichkeit – noch ein Netzwerk und ein Angebot, das im Lernhaus der Frauenakademie entstanden ist.


Dessen Bedeutung fasst Elsa Schröttle, die Koreanerin aus Usbekistan, in drei Worten zusammen: „Vertrauen, Unterstützung, Frauenpower.“ Und die übrigen 14 Teilnehmerinnen stimmen zu.


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