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ErzieherInnen und PflegerInnen... es herrscht Mangel!

03. April 2018

Der Staat, die Gemeinschaft, wir... müssen den gesellschafltichen Stellenwert dieser Berufe anheben, besser bezahlen...
Lesen SIE bitte die SWP.

Zu viel Ärger, zu wenig Zeit

Kindertagesstätten Erzieherinnen und Erzieher werden dringend gesucht. Doch der Beruf hat an Anziehungskraft verloren. Ein Grund ist der Stressfaktor Eltern. ⇥ Von Michael Gabel


Elternabend in einer Kindertagesstätte: Es geht um die Zahnputzgläser. Wo sollen sie stehen? Möglichst weit oben, wie es einige Eltern fordern – mit der Begründung, dass dann die Zahnbürsten nicht schmutzig werden? Oder unten am Waschbeckenrand? Das hätten die Erzieherinnen gern – weil die Kinder dann selbst rankommen und nicht ständig andere um Hilfe bitten müssen. Am Ende setzen sich die Fachkräfte durch. Um den Preis allerdings, dass manche Eltern sauer sind. Es geht aber auch andersrum. So zogen die Erzieherinnen eines Waldkindergartens mit ihren Schützlingen bei fast jedem Wetter in den nahegelegenen Forst. Bis das einigen Eltern zu gefährlich wurde. Sie erreichten, dass die Kinder die meiste Zeit in der Einrichtung verbringen. Die Wald-Kita existierte weiter. Nur ohne Bäume.


Es sind Extrembeispiele. Aber sie zeigen: Im Verhältnis zwischen Eltern und Kita-Erzieherinnen liegt großes Konfliktpotenzial. Einer aktuellen Untersuchung zufolge spricht ein Viertel der Kita-Leitungskräfte von zunehmender Aggressivität der Eltern. „Es besteht dringender Handlungsbedarf“, heißt es in der Studie.


Dabei ist die Situation, in der sich die Kindestagesstätten derzeit befinden, schon schwierig genug. Weil seit Jahren immer mehr Eltern ihre Kinder in die Einrichtungen geben, platzen die meisten aus allen Nähten. Fachkräfte werden dringend gesucht. Doch der Beruf gilt bei vielen als nicht besonders attraktiv. Was an der Bezahlung liegt – gut ausgebildete Fachkräfte verdienen selten mehr als 3200 Euro brutto – sowie daran, dass der Stress deutlich zugenommen hat. Auch der mit den Eltern.


Erzieher Manuel Zerwas hat ein Buch über seine Erfahrungen geschrieben. In „Jonas, nimm den Dinosaurier aus der Nase!“ beschreibt er einen Elterntyp, der ihn besonders stört: „Die Überbesorgten, die ihre Kinder verhätscheln und sich an sie klammern – das spiegelt sich dann oft auch im Verhalten der Kinder wider.“


Dabei gilt es in der Pädagogik grundsätzlich als der Idealfall, wenn sich Mütter und Väter um das Wohlergehen ihrer Kinder auch in einer Betreuungseinrichtung kümmern. „Erziehungspartnerschaft“ ist das Schlüsselwort. Eindringlich warnen die Autoren Kita-Erzieher allerdings vor dem Elterntyp des „Alleswissers“ und geben den Rat, sich nicht „auf längere ,fachliche‘ Streitgespräche einzulassen oder in Verteidigungshaltung zu gehen“.


Oft unterbesetzt


Ohnehin haben die meisten Erzieherinnen und Erzieher gar nicht die Zeit für ausführliche Elterngespräche. Laut einer Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung sind die Einrichtungen deutlich unterbesetzt. Deutschlandweit fehlen nach Einschätzung der Autoren rund 120 000 Fachkräfte, um ein kindgerechtes Betreuungsverhältnis von eins zu drei bei den unter Dreijährigen und eins zu 7,5 bei den Älteren hinzubekommen.


Um die Situation in den Kitas zu verbessern, haben Union und SPD in ihrem Koalitionsvertrag ein 3,5-Milliarden-Euro-Programm des Bundes vereinbart, das sich über drei Jahre erstrecken soll. Die stellvertretende SPD-Fraktionschefin im Bundestag, Katja Mast, will den Bundesländern bei der Umsetzung nicht zu viele Vorgaben machen. „Es gibt verschiedene Möglichkeiten, etwas Positives zu bewirken. So können die Länder beispielsweise ihre Betreuungsschlüssel verbessern, mehr Randzeitenbetreuung anbieten und ihre Kita-Leitungen von Erzieheraufgaben freistellen. Andere werden die Zuschüsse nutzen, um die Kita-Gebühren abzuschaffen“, sagte sie dieser Zeitung. Marcus Weinberg, familienpolitischer Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, meint hingegen: „Gegenüber einer vom Bund finanzierten Beitragsfreiheit hat für mich der Ausbau der Qualität der Kinderbetreuung absolute Priorität.“ Beim zentralen Anliegen, die Qualität anzuheben, seien sich Union und SPD jedoch einig.


Ob 3,5 Milliarden Euro aber reichen werden, um einen spürbaren Effekt zu erzielen? Manche Experten sehen einen weitaus höheren Finanzbedarf. Wie groß die Not ist, beschreibt Elke Alsago von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. „Die Fachkräfte reagieren zunehmend nur noch, statt reflektiert fachlich zu handeln“, sagte sie dieser Zeitung. Auch sie spricht vom Druck durch „Eltern mit hohen Bildungsansprüchen und Erwartungen“. Eine gedeihliche Zusammenarbeit sei schwierig. Es fehle einfach „Ruhe und Zeit“.


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