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Von Barrierefreiheit ist Neu-Ulm noch weit entfernt..

15. Mai 2018

Lesen SIE bitte die Neu-Ulmer Zeitung..

Überall lauern Hindernisse
Mobilität Seit einer Unterschenkelamputation ist Franz Nemec auf den Rollstuhl angewiesen. Wenn er sein Zuhause in Neu-Ulm verlässt, stößt er auf zahlreiche Barrieren. Der 71-Jährige fühlt sich im Alltag diskriminiert – und wehrt sich

Von Jens Noll

Neu-Ulm Franz Nemec schätzt Mobilität als hohes Gut. In seinem Leben war er schon sehr viel unterwegs, hat mit dem Fahrrad unter anderem den Jakobsweg und die Seidenstraße befahren sowie Indien, den Oman und einige weitere Länder bereist. Davon zeugen Fotos, Fahrradrahmen und Helme, die wie Trophäen in seiner Wohnung hängen. Doch gesundheitliche Gründe haben den Aktionsradius von Nemec jäh eingeschränkt. Seit einer Unterschenkelamputation vor einem halben Jahr ist der Diabetiker komplett auf den Rollstuhl angewiesen. Dennoch will er mobil bleiben – so gut es eben geht.

Schon wenn Nemec, 71, den Weg von seinem Zuhause im Seniorenzentrum Albertinum in Neu-Ulm in die Innenstadt beschreibt, listet er zahlreiche kritische Stellen auf. „Die Barrierefreiheit in der Stadt Neu-Ulm ist extrem vernachlässigt“, sagt er.

Zur Fahrbahn hin abfallende Bürgersteige vom Albertinum auf dem Weg ins Kaufland machen dem Rollstuhlfahrer das Leben schwer. Gleiches gelte für die Gehwege entlang der Memminger Straße, sagt Nemec. Zudem seien die Bushaltestellen an der Memminger Straße nicht barrierefrei ausgebaut. Und eine Überquerung der viel befahrenen, vierspurigen Straße stelle für Rollstuhlfahrer wie auch für Rollatorbenutzer und Eltern mit Kinderwagen ein sehr gefährliches Unterfangen dar, ergänzt er. Zwischen Allgäuer Ring und der Kreuzung an der Arena gibt es weder eine Fußgängerampel noch Zebrastreifen.

Nemec nennt aber noch weitere Barrieren. Sehr viele Bordsteine seien nicht korrekt abgesenkt und stellten für Rollstuhlfahrer unüberwindbare Hindernisse dar. Und der Weg hinauf vom Allgäuer Ring über den Bahntrog sei mit zehn Prozent Steigung viel zu steil für Rollstuhlfahrer. Sechs Prozent dürften es maximal sein. Nemec verweist auf Kurse, die er bei der Seniorenakademie Bayern besucht hat. Er weiß, dass es gesetzliche Vorgaben gibt, die Städte umsetzen müssen, um Barrierefreiheit zu gewährleisten.

In einem Brief an Neu-Ulms Oberbürgermeister Gerold Noerenberg hat der 71-Jährige die Problemstellen aufgezählt. Im Antwortschreiben, das unserer Zeitung vorliegt, versichert der Rathauschef, dass die Stadt sukzessive kritische Bereiche überplanen werde – sofern es die zur Verfügung stehenden Ressourcen zulassen. Allerdings, schreibt Noerenberg, könnten nicht alle Defizite gleichzeitig beseitigt werden. Die bestehende Infrastruktur könne nicht so schnell auf den heute geforderten Standard gebracht werden. Bei der Memminger Straße, heißt es aus der Bauverwaltung, führe kein Weg an einer grundhaften Sanierung vorbei. Das werde noch einige Jahre dauern.

Nemec ärgert sich aber nicht nur über die Stadt Neu-Ulm, sondern auch über die Deutsche Bahn. Dank hilfsbereiter Fahrgäste komme er in jeden Zug, der keine Treppen am Einstieg habe, erzählt er. Solche Zugtypen verkehren in der Regel auch zwischen Ulm und Weißenhorn. Dennoch hat Nemec in der Fuggerstadt schon eine böse Überraschung erlebt. Bei der Rückfahrt stand plötzlich ein Zug am Bahnsteig, der nur schmale Türen mit Stufen hatte. Das Zugpersonal zeigte sich wenig hilfsbereit – die Regionalbahn fuhr letztlich ohne ihn ab.

Eine Bahn-Sprecherin bedauert auf Nachfrage unserer Zeitung den Vorfall und entschuldigt sich. Eigentlich verfügten alle Züge im Bereich des Dieselnetzes Ulm über einen rollstuhlgerechten Niederflureinstieg, sagt sie. Aus „betrieblichen Gründen“ sei an dem Tag jedoch ein anderer Zugtyp als üblich eingesetzt worden, was immer wieder vorkommen könne. Diese Antwort hat auch Nemec auf seine Beschwerde hin von der Bahn bekommen. Die Aussage, dass Züge ohne stufenfreien Einstieg in den digitalen Auskunftsmedien der Bahn gekennzeichnet seien, hilft dem 71-Jährigen, der kein Smartphone besitzt, im Alltag aber nicht weiter. Und der Mobilitätsservice (siehe Infokasten) sei im Nahverkehr nicht praktikabel: „Ich kann nicht immer planen, wann ich welchen Zug nehme.“

Auch beim Beschwerdemanagement der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm ist Franz Nemec kein Unbekannter. Denn es gibt eine Situation, in der er sich als behinderter Fahrgast an der Bushaltestelle besonders diskriminiert fühlt: Wenn der für Rollstuhlfahrer, Rollatoren und Kinderwagen vorgesehene Platz im Fahrzeug schon belegt ist. „Ich müsste reinrufen und sagen, dass ein anderer aussteigen und mir Platz machen soll“, sagt Nemec. „Doch das mache ich aus Anstand nicht.“

Bernd Jünke, Pressesprecher der SWU, bestätigt auf Nachfrage, dass Rollstuhlfahrer in solchen Fällen auf die Einsicht der anderen Fahrgäste angewiesen sind. Der Busfahrer könne da nicht eingreifen. „Er hat keine Zeit für Diskussionen. Er muss den Fahrplan einhalten und auf die Kasse im Bus achten“, sagt Jünke. Er rät Rollstuhlfahrern aber dazu, auf sich aufmerksam zu machen und den Fahrer um eine Durchsage zu bitten, falls andere Fahrgäste die sogenannten Multifunktionsplattformen blockieren.

Mit Schildern sind diese Bereiche in Bussen und Straßenbahnen markiert. Die Reihenfolge der Symbole auf den Schildern stelle jedoch keine Rangfolge dar, betont Jünke. Rollstuhlfahrer, Kinderwagen und Rollatoren seien gleichberechtigt. Sie hätten aber alle wiederum Vorrang vor Fahrrädern. »Kommentar

Franz Nemec ist viel mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Auf dem Weg von der Bushaltestelle nach Hause muss er häufig die Memminger Straße überqueren. Ohne Ampel und Zebrastreifen ist das für ihn sehr gefährlich. Foto: Andreas Brücken


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